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20 Jahre Mauerfall: Projekt der
berufsbildenden Schule |
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Ein fächerübergreifendes Projekt zum Anlass des Mauerfalljubiläums
haben die Berufsschüler des PIH am 9. November in der Mensa des
Internatsdorfs durchgeführt.Mit einem Impulsspiel auf Plakaten zum
Thema „Menschenrechte“ zeigten die Schüler der Berufsfachschule 1,
welche Menschenrechte in der ehemaligen DDR nicht eingehalten
wurden und spielten Szenen aus den Montagsdemonstrationen in
Leipzig nach. |
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Ein für
Hörgeschädigte untertitelter Film fasste danach die Ereignisse vom
Oktober und November 1989 noch einmal zusammen.
Der Höhepunkt der Gedenkfeier war der Lebensbericht einer
Zeitzeugin, die damals mit ihrer Familie über Budapest aus der DDR
fliehen konnte und seither in Frankenthal eine neue Heimat
gefunden hat. Sonja Schönherr sprach sehr anschaulich und
eindringlich über diese Zeit und wurde von zwei Dolmetscherinnen
in Gebärdensprache übersetzt. |
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Die Berufsschüler folgten gebannt dem Geschehen auf der Bühne, sie
zeigten für den Film und die bewegenden Worte von Frau Schönherr
mehr Interesse als im normalen Unterricht. Selbst persönliche
Fragen trauten sie sich zu stellen, die Sonja Schönherr
ausführlich beantworte. Projektleiterin Edith Costea von der BBS
war sehr zufrieden mit dem Vormittag und bedankte sich bei allen
Beteiligten für die Zusammenarbeit. |
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Helga Schleich |
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Selbstwirksamkeit und
Gruppendynamik
Der Studientag der BBS im
Selbsterfahrungscamp
31.10.2009 Bad Dürkheim
Der Studientag des Kollegiums der
BBS fand dieses Mal in der Natur statt. Der Veranstalter „pfalz
aktiv“ hatte allerdings nicht nur Aktivitäten an der frischen Luft
im Sinn, sondern Trainingseinheiten, die es den einzelnen
Teilnehmern ermöglichten, sich selbst und die anderen Teilnehmer
innerhalb des Gruppengeschehens zu erleben und diese Erfahrungen
zu reflektieren. Bei der Kommunikationsübung ging es um das
Auffinden eines Zielpunkts, der nur der jeweils anderen Gruppe
bekannt war, so dass man sich gegenseitig per Walkie-Talkie durchs
Gelände lotsen musste. Orientierung im Gelände, Vertrauen auf die
richtige Führung und verantwortungsvolles Führen anderer kann man
hierbei spielerisch trainieren und es ist unschwer, sich
vorzustellen, wie man solche Erfahrungen im Berufsleben
gewinnbringend einsetzen kann.

Am Ziel des Orientierungslaufes
Wertvoll waren in dieser Hinsicht
auch die weiteren Übungen, die von einer Psychologin angeleitet
wurden. Das gesamte Kollegium befolgte Ihre Anleitungen ohne
Widerspruch, obwohl sie vom Alter her unsere Schülerin hätte sein
können. Sehr aufschlussreich war der Balanceakt, den die ganze
Gruppe auf einer Wippe so durchführen musste, dass die Wippe stets
im Gleichgewicht blieb. Das bedeutet, dass jeder Einzelne, bevor
er einen Schritt tut, überlegen muss, was dieser Schritt innerhalb
der Balance auslösen kann und wie ein Ungleichgewicht vermieden
oder wieder ausgeglichen werden kann. Auch hier ist die Parallele
zu einem sozialen Organismus, der im Gleichgewicht bleiben muss,
augenfällig.

Das BBS-Team im Gleichgewicht
Bei der Moorübung ging es schlicht
ums Überleben dank der richtigen Strategie, notfalls auch in eher
unbequemen Situationen, die man einfach bewältigen musste. Ein
bisschen Wettbewerb war auch dabei, denn die Erfahrung, zu siegen
bzw. eine Niederlage wegzustecken gehört schließlich zum (Über)leben
dazu.
Eher ungeeignet zur Durchführung
mit hörgeschädigten Menschen war die Übung mit verbundenen Augen,
weil man sich nur noch aufs Hören, Sprechen und Tasten verlassen
konnte. Sie machte allen Gruppenmitgliedern aber schlagartig klar,
in welchem Wettbewerbsnachteil sich unsere Schüler täglich
befinden. Dies einmal buchstäblich am eigenen Leib zu spüren kann
nicht hoch genug eingeschätzt werden.

Sich blind verstehen ...
Text: Helga Schleich, Photos:
Werner Schäfer |
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Schülersprecher 2009/10 |
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Latif Yalbirdak, Ali Aras und
Sebastian Hübsch |
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VI. Forum der Direktoren aus
den Partnerschulen Klein-Polens und Rheinland-Pfalz |
Vom 2.6. bis zum 6.6.2009 fand das
Forum in Krzeszowice bei Krakau statt. Schön, dass ich auf meine
polnische Kollegin Agatha Czech treffen konnte. Sie ist gerade
wiederernannt worden und natürlich sehr erfreut, dass ihre Arbeit
anerkannt wird. Auch unsere Partnerschaft ist ein wichtiger
Bestandteil unserer gemeinsamen Arbeit. 2008 begonnen und schon
jetzt sehr positiv bewertet vom Bildungskurator der Wojewodschaft
Kleinpolen A. Dziganski und der Vizepräsidentin der Stadt Krakau
E. Lecznarowicz. Besonders interessant fand ich den Einblick in
das Alltagserleben einer polnischen Schulleiterin mit vielen
Unterschieden, aber auch deutlichen Gemeinsamkeiten. Und natürlich
gab es wieder viel Gelegenheit Unterricht anzuschauen und mit den
Kolleginnen und Kollegen zu diskutieren.
Dass nur ein halber Tag für die Erkundung von Krakau zur Verfügung
stand, konnte ich da leicht verschmerzen.
Und sehr erfreulich: Unsere Partnerschaft geht weiter!
Dr. Hiltrud Funk



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BDH-Bundeskongress 2009
Kinder für das Leben stärken - Tagung
der Hörgeschädigtenpädagogen in Frankenthal |
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Mit einer Podiumsdiskussion zum Thema
„Starke Schule – starke Schüler“ ist am 10. Mai 2009 im
Frankenthaler Congress -Forum die Tagung des Berufsverbands
Deutscher Hörgeschädigtenpädagogen (BDH) erfolgreich zu Ende
gegangen. |
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Beginn einer Partnerschaft
Besuch der Schul- und
Erziehungssondereinrichtung für Hörgeschädigte in Krakau/Polen |
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Vom 11. bis 14.
Februar 2009 reisten Frau Dr. Hiltrud Funk, Herr Willi Senftner,
Herr Tamasz Kiniorski und Herr Michael Latour vom Frankfurter
Flughafen nach Krakau. |
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Anregungen für Lehrkräfte, die
mit gehörlosen Eltern arbeiten
Dr. Hiltrud Funk, Pfalzinstitut für
Hörsprachbehinderte in Frankenthal
Angelehnt an die Veröffentlichung der Royal Association for Deaf
people (homepage) |
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1.
Information für Schulen
Weiter
unten finden Sie Tipps und Strategien, um Lehrer und Berater dabei
zu unterstützen effektiv mit gehörlosen Eltern und ihren Kindern
zu arbeiten. Die Auflistung ist nicht erschöpfend, sondern soll
eine Vorstellung dafür liefern, wie pädagogische Dienste für
gehörlose Eltern zugänglich gemacht werden können. Für nähere
Informationen empfiehlt es sich, die Gehörlosenorganisationen zu
kontaktieren.
90% der
Kinder von gehörlosen Eltern sind hörend. Das bedeutet, dass jede
Schule in Kontakt mit gehörlosen Eltern kommen kann, nicht nur die
für hörbehinderte Kinder. Arbeiten Sie in einer Schule? Haben Sie
darüber nachgedacht, wie erreichbar sie für gehörlose und
schwerhörige Eltern sind? Wenn Sie Kinder von gehörlosen Eltern in
der Schule haben, haben Sie diese jemals getroffen? Wenn nicht,
haben Sie sich gefragt warum nicht? Gehörlose Eltern sind genauso
an der Bildung ihrer Kinder interessiert wie andere auch. Sie
möchten in die schulische Arbeit, in Ausflüge, Hausaufgaben und
Versammlungen einbezogen werden, aber dies kann schwierig werden,
wenn der Zugang beschränkt ist. Jetzt finden Sie ein paar Tipps,
damit Sie die Zugänglichkeit für gehörlose und schwerhörige Eltern
zur Schule oder zum Kindergarten verbessern können.
2.
Informationen nach Hause senden
Erwarten
Sie nicht, dass die Kinder ihren Eltern über die Schule erzählen,
wenn Sie dies nicht auch von allen anderen Kindern erwarten.
Kommunizieren Sie direkt mit den Eltern. Dies ist besonders
wichtig, wenn es sich um eine Information über das Verhalten des
Kindes oder seinen Leistungsstand handelt. Kinder sind nicht immer
die besten Botschafter, wenn die Botschaft sie in Schwierigkeiten
bringen könnte!
Wenn Sie
geschriebene Informationen nach Hause senden, tun Sie dies in
einfachem Deutsch. Vermeiden Sie den Gebrauch von Jargon. Dies ist
wichtig für Eltern, die Gebärdensprache als ihre Muttersprache
betrachten. Dies nützt auch anderen Eltern, besonders denen mit
Migrationshintergrund und denen mit Lernproblematiken.
Viele
Schulen benutzen Mitteilungshefte, um die Kommunikation zwischen
Eltern und Schule zu unterstützen. Das kann nützlich sein, um
gehörlose Eltern über die Fortschritte ihrer Kinder zu
informieren. Wenn Sie Eltern über etwas kurz informieren müssen,
z.B. dass der Unterricht wegen Schnee ausfällt, können Sie ein Fax
oder eine SMS senden.
3.
Elternabende
Elternabende können sehr schwierig werden, wenn angemessene
Unterstützung in der Kommunikation nicht vorhanden ist. Kinder
oder Familienmitglieder dienen manchmal als Dolmetscher, aber dies
sollte nicht angenommen werden. Nicht alle gehörlosen
Menschen gebrauchen die Gebärdensprache (DGS), so dass die Eltern
gefragt werden müssen, welche Art von Unterstützung sie
bevorzugen. Wenn Sie mit einem Dolmetscher arbeiten, sollten Sie
die Zeit effektiv nutzen. Um die Kommunikation zu erleichtern gibt
es folgende Wege:
- Versichern Sie sich, dass der Raum
ruhig ist, ohne Hintergrundgeräuschen und Unterbrechungen.
- Kommunizieren mittels eines
Dolmetschers oder andere Methoden wie schreiben benötigen Zeit.
Und Sie müssen diese einräumen.
- Sprechen Sie deutlich direkt zu den
Eltern, nicht zum Kind oder dem Dolmetscher.
- Geben Sie den Eltern Zeit, damit sie
die Arbeiten des Kindes durchschauen können.
- Sprechen Sie nicht mit ihnen und
zeigen Sie nichts zur gleichen Zeit. Das macht Ablesen vom Mund
unmöglich.
- Sorgen Sie für gutes Licht im Raum,
setzen Sie sich nicht vor ein Fenster. Dies erleichtert, ihr
Gesicht zu sehen und ermöglicht besseres Ablesen.
- Am Ende der Sitzung könnten Sie noch
einige Dinge wiederholen, wenn es notwendig ist.
- Gebrauchen Sie ihre normale Stimme.
Schreien Sie nicht.
4.
Versammlungen, Spiel und andere Aktivitäten
Es
empfiehlt sich, Dolmetscher zu allen wichtigen Ereignissen in
Ihrer Schule hinzuzuziehen. Mitschreiben erleichtert es Eltern,
der Aktion zu folgen. Wenn Sie einen Klassenausflug machen, finden
Sie heraus, ob die Örtlichkeit über einen Dolmetscher verfügt.
Einige Museen bieten Führungen mit Dolmetschern an. Dies
ermöglicht, Eltern ihre Kinder zu begleiten und lässt sie voll am
Schulleben teilnehmen.
5.
Allgemeine Information
Versichern Sie sich, dass die Eltern Sie kontaktieren können,
wenn es nötig ist. Geben Sie ihnen Ihre Faxnummer, Handynummer
oder email-Adresse. Schauen Sie aber auch regelmäßig nach, ob eine
Nachricht eingegangen ist.
Wenn ein
Kind emotionale, verhaltensmäßige oder sprachliche Probleme hat,
schreiben Sie diese nicht automatisch der Gehörlosigkeit der
Eltern zu. Sich auf die Gehörlosigkeit zu beschränken, lässt
andere potentielle Gründe unsichtbar bleiben. Es könnte auch eher
die Eltern von der Schule entfremden, als sie zum Engagement zu
motivieren.
Schulen
brauchen das Engagement der Eltern, sonst müssen sie auf eine
wertvolle Ressource verzichten.
Dolmetscher einzubeziehen ist wichtig, aber selbst sich mit dem
Wissen über Gehörlosigkeit auseinander zu setzen
genauso.Viele Organisationen, die mit gehörlosen und schwerhörigen
Menschen arbeiten, können Sie darin schulen.
Beachten
Sie, dass Mobbing Kinder von gehörlosen oder behinderten Eltern
treffen kann. Um diese Gefahr zu verringern, sollte in den
Unterricht Wissen über Gehörlosigkeit und die Belange gehörloser
und schwerhöriger Menschen einfließen. Dies sollte so geschehen,
dass die Kinder oder ihre Eltern nicht isoliert werden.
Gebärdensprachdolmetscher müssen finanziert werden. Die
Finanzierung ist in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich
geregelt. Wenn die Eltern selbst darüber nicht Bescheid wissen,
können Fachdienst für gehörlose Menschen befragt werden.
Viele
Schulen für hörbehinderte Kinder senden Lehrkräfte zur Beratung in
die allgemeinen Schulen. Wenden Sie sich an die nächstgelegene und
fragen, ob diese über ein entsprechendes Angebot verfügt. Aber
auch die Fachdienst für gehörlose Menschen bieten ihre
Unterstützung an. Oft können die Gehörlosenverbände Auskunft
geben.
Frankenthal, den 20.4.2009 |
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150igster Todestag von Augustin
Violet, unserem Schulgründer! |
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Vor 150
Jahren, am 10. April 1859, starb Augustin Violet in Frankenthal,
wo die Schule des Pfalzinstituts für Hörsprachbehinderte nach ihm
benannt ist. Er hatte im Alter von 25 Jahren zunächst die Stelle
als Taubstummenlehrer an der allgemeinen Armenanstalt angetreten,
dann die Taubstummenschule gegründet und sie während seiner über
30jährigen Tätigkeit weiter ausgebaut. Er war damit der erste
Lehrer einer öffentlichen Gehörlosenschule in der Pfalz.
Violets
Leben fiel in eine Zeit großer politischer Umwälzungen. Die
südpfälzische Gemeinde Oberlustadt, in der er am 14. Juli
1799 geboren wurde, gehörte damals zu Frankreich. Seine Eltern
verstarben früh, so dass seine jüngere Schwester Anna Maria und er
bei Verwandten des Vaters aufwuchsen. Von 1806 bis 1812 besuchte
Violet die École primaire in Oberlustadt. Um 1814 verließen Violet
und seine Schwester ihren Heimatort und zogen zu Verwandten
mütterlicherseits nach Geinsheim bei Neustadt. Als Folge des
Wiener Kongresses gelangte die Pfalz zur selben Zeit als
„bairischen Lande am Rhein“ in Besitz von König Maximilian I.
1821
absolvierte Violet erfolgreich die Aufnahmeprüfung des
Schullehrer-Seminariums in Kaiserslautern. Es stand seit 1818
unter Leitung von Friedrich Wilhelm Balbier, einem Anhänger der
Aufklärung und Philantrophie. Violet wurde zu einem seiner besten
Schüler und schließlich von Balbier im September 1823 der
Regierung des Rheinkreises in Speyer als Kandidat für die
Ausbildung zum Taubstummenlehrer vorgeschlagen. Neben Violet war
bereits seit Herbst 1821 Daniel Durst aus Selchenbach, einem
kleinen Ort westlich von Kusel, als weiterer Kandidat im Gespräch.
Die
Regierung in München wollte einen geeigneten Lehrer für die
taubstummen Kinder im Rheinkreis finden, um flächendeckende
Bildungsmöglichkeiten für Taubstumme zu schaffen. In Freising bei
München war ein Institut zur Ausbildung von Taubstummenlehrer
entstanden, von dem aus Lehrer im ganzen Königreich Bayern
eingesetzt wurden. Sie sollten die Kinder „in Schreiben, Lesen,
Rechnen und Reden“ unterrichten, so dass sie „moralisch gut und
bürgerlich brauchbar“ wurden. Daniel Durst hatte schon erste
Erfahrungen im Unterricht mit Taubstummen gesammelt, auf den
Antritt einer Lehrerstelle verzichtet und Talent und Kenntnisse
mehrmals unter Beweis gestellt. Im Vergleich dazu besaß jedoch
Violet laut Balbier auch „ein sanftes liebevolles Wesen“ und „ein
mehr natürliches und weniger gespanntes“ Benehmen. Man entschied
sich für Violet. Er begann am 15. Januar 1824 seine Ausbildung in
Freising.
Der
Leiter des Institutes, Bernhard von Ernsdorfer, schrieb in einem
Zwischenzeugnis vom Juli 1824, dass Violet mit Sorgfalt und Eifer
gelernt habe, die Ausbildung aber bis April 1825 verlängern
möchte. Im August 1824 hatte Violet eine wissenschaftliche Arbeit
mit dem Titel „Ansichten und Lehrsätze, den Unterricht für
Taubstumme betreffend“ vorgelegt, stark beeinflusst von den Ideen
des Philanthropen, Pädagogen, Schul- und Sozialreformers Johann
Heinrich Pestalozzis, mit denen Violet bereits in Kaiserslautern
in Berührung gekommen war. Als Violet 1825 Freising verließ,
bestätigte ihm Ernsdorfer in einem Zeugnis vom 10. April, dass der
Pfälzer sich „ mit ausgezeichnetem Fleiße“ und „durch fleißige
Benützung der einschlägigen Litteratur und der besonderen
Lehrvorträge, als auch durch thätige Theilnahme an dem wirklichen
Unterrichte sich eine solche Kenntniß und Fertigkeit in dieser
Unterrichtsweise erworben“ habe, dass er sofort mit dem Unterricht
taubstummer Kinder beginnen könne und „sicher zur vollkommenen
Zufriedenheit fortsezen wird“. Auch würden sein Charakter sowie
„die Eigenschaften seines Gemüthes, und seiner untadelhaften
Sitten diesem Geschäft ganz entsprechen, und ihn einer
vorzüglichen Empfehlung würdig machen“.
Am 29.
April ernannte die Stadt Frankenthal Augustin Violet zum
Taubstummenlehrer in der Armenanstalt. Wie dessen Leiter Frank
bezeugte, widmete Violet sich „sogleich mit besonderem Fleiße der
ihm übertragenen Pflichten“. In einem Brief an die Regierung des
Rheinkreises vom 15. Juli 1825 gab Frank wieder, was Violet für
die Eröffnung einer Taubstummenschule benötigte: ein geräumiges
Lehrzimmer, „ein für männliche und weibliche Taubstumme in zwei
Abteilungen geteiltes Arbeitszimmer in dem vorderen Hofe der
Armenanstalt, damit die lehrfähigen Taubstummen durchaus mit den
übrigen Pfleglingen des Instituts nicht in Berührung kommen“. Das
war nur durch den Umbau eines Pförtnerhäuschen, der Herstellung
von Möbeln und Tafeln in der zur Armenanstalt gehörenden
Schreinerei und dem Kauf sonstiger Unterrichtsmaterialien möglich,
finanziert aus den laufenden Dotationen des Armeninstitutes. Auch
über Violets Gehalt berichtete der Brief. Normalerweise erhielt
ein Taubstummenlehrer 600 Gulden Jahresgehalt und freie Logis. Da
aber Violet zusätzlich zur Unterkunft noch Holz und Licht erhalten
sollte, war sein Gehalt auf 300 Gulden festgesetzt. In den langen
Jahren seiner Tätigkeit wurde die Gehaltsfrage immer wieder
thematisiert: 1827 bei seiner Eheschließung, 1840 und 1857.
Im
Oktober 1825, knapp drei Monate nach seiner Ankunft in
Frankenthal, konnte Violet mit dem Unterricht beginnen. Nicht nur
Taubstumme, auch verwahrloste Kinder nahmen daran teil. Violet
förderte die Entwicklung der kindlichen Sprachorgane, vermittelte
Kenntnisse im Sach- und Religionsunterricht und suchte
Ausbildungsstellen für seine ausscheidenden Schüler. In Freising
war er von Ernsdorfer nach der Methode des französischen Abtes
Charles Michel de l´Epèe ausgebildet worden und arbeitete anfangs
nach ihr. In den 1830er Jahren wendete er sich immer mehr der
lautsprachlich-grammatikalischen Richtung des bayrischen
Professors für Philosophie und Pädagogik, Johann Baptist Graser,
zu. In deren Mittelpunkt stand das Wecken und Mobilisieren der
individuellen geistigen und seelischen Kräfte des taubstummen
Kindes mit dem Ziel der Selbstständigkeit. Viele Ideen konnte
Violet nicht umsetzen, da der Armenanstalt die finanziellen Mittel
fehlten. In den Abendstunden half er am Mädchenbildungsinstitut
aus, nicht nur aus beruflicher Leidenschaft, sondern auch um einen
kleinen Nebenverdienst zu erhalten.
1827,
nur zwei Jahre nach Beginn seiner Lehrertätigkeit, heiratete er
die jüngere Elisabeth Heller, Tochter eines Bachinspektors. Mit
ihr zusammen zog er von seiner Wohnung auf dem Gelände der
Armenanstalt in die Stadtmitte von Frankenthal. In der fast
zwanzig Jahre dauernden Ehe, bis zum Tod seiner Frau 1848, bekamen
sie vier Kinder: zwei Söhne und zwei Töchter. Für die
Eheschließung spielten auch ökonomische Gründe eine Rolle. So
sprach Violet davon, dass er sich „genöthigt“ fühle die Ehe
einzugehen, um seine Lebensverhältnisse zu verbessern. 1858
erkrankte Augustin Violet an einem Brustleiden, so dass ihm
Friedrich Bollenbach als Schulgehilfe zur Seite gestellt werden
musste. Ein Jahr später, nicht einmal 60 Jahre alt, erlag Violet
seinem Leiden. Er hatte nicht nur seine Frau überlebt, sondern
musste auch bereits 1856 seinen ältesten Sohn zu Grabe tragen.
Sein zweiter Sohn verstarb kurz nach dem Vater.
Im Laufe
seiner langen Berufsarbeit hat Violet 110 taubstumme Kinder und
Jugendliche unterrichtet. Von Zeitgenossen sehr geschätzt, galt er
als fleißig und pflichtbewusst. So beschreibt ihn Georg Friedrich
Blaul 1836 in seinem Buch „Träume und Schäume vom Rhein“ als
„einen trefflichen, äußerst Tätigen Lehrer“, dessen „lebenvolle,
erweckliche Art des Unterrichts“ zutiefst beeindrucke. Am 4. Mai
1966 benannte der Bezirkstag der Pfalz die vom Bezirksverband
getragene Taubstummenschule in Frankenthal in
„Augustin-Violet-Schule für hörgeschädigte Kinder“ um.
Sarah
Brötz M.A. und Markus Vogt M.A.

Bildlegende: Von links nach rechts in
chronologischer Reihenfolge, das erste Schulgebäude des
Armenhauses (1825 - 1873), das Gebäude auf dem Gelände der
Kreis-Heil- und Pflegeanstalt (1873 - 1895), die Schule als Neubau
an der Mahlastraße (1895 - 1943), das aktuelle Gebäude der
Augustin-Violet-Schule in der Holzhofstraße 21, ehemaliges
Krankenhaus der Heil- und Pflegeanstalt (seit 1948). |
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